• Petra

"Wie traurig. Keine Natur in der Nähe?"

Aktualisiert: 1. März

Das war ein Kommentar auf meinen letzten Blogbeitrag, als ich unser Laufband vorstellte.

Genau genommen war es ein Kommentar auf Social Media zum Foto vom Laufband vor dem Fernseher mit Wald-Impressionen. Denn der / die Kommentierende hatte den Blogbeitrag ganz offensichtlich nicht gelesen, sonst wären die genannten Argumente bekannt gewesen.

Aber ich habe noch mehr:


Das Laufband ist Schweinhund-unfreundlich. Und das ist gut!

Das ist im Prinzip das Wichtigste daran. Niemals wäre ich jetzt schon an Tag 7 in Folge in Bewegung gekommen, wenn ich mich dafür hätte fertig machen und rausgehen müssen. Um das Hundchen nicht zu wecken, habe ich sogar aufgehört, mich in meine (inzwischen sehr enge) Laufhose zu quetschen, weil das total nervig ist.

Und trotzdem war ich gestern draußen. Nämlich bei der ersten Ausfahrt von Miss Baby. Ein schöner Spaziergang mit einem großen Teil der Familie. Aber natürlich seeeeehr viel langsamer, als auf dem Laufband.


Ich bestimme die Dauer

Und zwar ohne irgendwohin zurücklaufen zu müssen, wenn ich nicht mehr kann. Das bringt mich zum nächsten Punkt:


Draußen gibt's keine Duschen am Wegesrand

Weil ich so untrainiert bin, komme ich ziemlich ins Schwitzen beim Laufen. Und wenn ich draußen so schnell liefe, wie auf dem Laufband, damit die Aktion überhaupt einen Sinn ergäbe, dann dann würde ich genauso schwitzen wie drinnen. Und wenn ich klebe, möchte ich das direkt loswerden. Punkt.


Auf dem Laufband kann ich auch im Halbschlaf laufen

Und im Nachthemd. Und ich stolpere über keinen Stein, wenn ich mit geschlossenen Augen vor mich hinlaufe.


Ich stehe nicht so auf Wald.

Ich weiß, das ist böse ;-) Aber Baum, Baum, Baum, Baum, Baum ist wirklich nicht so meins. Offenbar habe ich die gebaute Umwelt schon immer mehr gemocht. Deswegen bin ich von meiner Ausbildung her auch Dipl.-Ing. für Stadt- und Regionalplanung. Und wenn ich mal in den Wald gehe, dann fotografiere ich das, was dort von Menschen gemacht wurde. Guckstu links den Holzmann an. Oder unten den Shelter (der Duden kennt "Shelter" nicht, und bietet mir stattdessen "Sehtest" an ... Deshalb weiß ich auch nicht, ob "der" oder "das" Shelter richtig ist, und bin mal von "der Schutz" / "der Unterstand" ausgegangen).

Ich mag Gärten, und Parks und Seen / Flüsse / Berge, etc. Aber wenn Kind 4 nicht dieses Waldvideo mit dem hübschen Vogelgezwitscher angemacht hätte, hätte ich eines der vielen Zu-Fuß-durch-Manhattan"-Videos auf YouTube gewählt. Und dort war ich gefühlt schon öfter als in unserem Wald, der nur fünf Gehminuten entfernt ist :-D


Ich finde Outdoor-Aktivitäten toll - vor allem bei anderen.


Also, ich stelle mir immer vor, wie cool es wäre, wandern zu gehen. Oder im Wald ne Hütte zu bauen und dort zu übernachten. Deshalb habe ich auch die "Grubenhaus"-Videos von Fritz Meinecke geguckt, #7vsWild oder die schrägen Eskapaden von Survival Mattin. Und ich habe die Jack Wolfskin-Kataloge durchgelesen, als da noch cool bebilderte Outdoor-Abenteuer-Storys drin waren.

Ansonsten erinnere ich mich gerne an mein Ski-Abenteuer 2014, als ich nach über 30 Jahren nochmal auf Skier stieg.


Ich bin schon gerne auch mal "in echt" draußen, aber definitiv nicht regelmäßig und schon gar nicht joggend.


Hätte ich das Laufband schon zu Beginn der Pandemie gehabt ...

... dann wäre es mir vielleicht schneller wieder besser gegangen.

Ich habe nämlich bei Corona gleich zweimal "Hier!" geschrieen, obwohl ich wirklich nur das Haus verlassen habe, wenn es gar nicht anders ging (mit Maske selbstverständlich). Das erste Mal bekamen wir es im März 2020 vom Kindergarten geschenkt, das zweite mal im November 2021 aus der Schule. Die erste Variante hat mir Long Covid beschert.


Very Long Covid. Fast anderthalb Jahre. Ich brauchte nach acht Kellerstufen erstmal ne halbe Stunde im Sessel (wenn nicht länger), musste mich vom Arzt bis zum Parkplatz auf einer 5-Minuten-Strecke dreimal hinsetzen, hatte Tag und Nacht unkontrollierte Schweißausbrüche und einfach auch mal 38°C Körpertemperatur einfach so zwischendurch.



Und ich war immer müde. Offenbar war es ein Fatigue Syndrom, und ich dachte ewig, die Ursache davon müsste Krebs sein, oder was anderes Übles. Aber keiner der vielen Ärzte, die ich in dieser Zeit aufsuchte hat auch nur das kleinste Bisschen gefunden. Und irgendwann ging auch die Endokrinologin davon aus, dass ich mir Long Covid bzw. Post Covid angelacht habe. Das ist übrigens der Unterschied:

Im Grunde verbrachte ich meine Tage strickend auf dem Sessel, weil es für mehr nicht reichte. Nach der zweiten Biontech-Impfung wurde es erstaunlicherweise ziemlich schnell besser, und nach dem Diazepam, das ich wegen meiner Koloskopie bekam, habe ich (für meine Verhältnisse) wieder richtig durchgestartet. Ich bin regelrecht aus der Klinik rausgehopst, und habe eine andere Koloskopie-Patientin damit höchst irritiert.


Die nächste Covid-Infektion zwei Monate später hat mich zum Glück nur unwesentlich tangiert.


Ich denke halt immer noch, wenn ich in der Long Covid Phase jeden Tag vielleicht nur zwei, drei Minuten auf dem Laufband gelaufen wäre, wäre ich vielleicht schneller wieder auf die Beine gekommen. Draußen ging es jedenfalls nicht, weil mich schon das Mantel-Anziehen wieder komplett außer Gefecht gesetzt hat.


Naja, ist müßig darüber nachzudenken, weil ich das Ding eben erst seit einer Woche habe. Aber ich bin sehr dankbar dafür.


Und wenn ich wirklich unbedingt mal Natur haben will, dann hindert mich ja auch niemand daran, einfach rauszugehen. Ich will es nur nicht tun MÜSSEN. Und das finde ich kein bisschen traurig.


Liebe Grüße


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P.S.: Meine anderen Argumente gegen dieses "Draußen" findet ihr hier, wenn ihr den letzten Beitrag hier anklickt.




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